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Inhalt und Didaktik der Waldorfpädagogik beruhen auf seinen Erkenntnissen über die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.
Die Schule ist eine zwölfjährige öffentliche Schule in freier Trägerschaft, die alle staatlich anerkannten Abschlüsse anbietet. Die wissenschaftlichen Fächer werden jedoch um handwerkliche und künstlerische Bereiche erweitert, um so die Entwicklung der gesamten Schülerpersönlichkeit altersgemäß fördern zu können.
Sie bietet eine Ausbildung, die über rein intellektuelle Fähigkeiten hinaus Qualifikationen wie Teamgeist, Selbstvertrauen, Kreativität und prozessuales Denken vermittelt, und deshalb heute mehr denn je geschätzt wird.
Besonderheiten:
In der Waldorfschule sind die Lehrer bestrebt in der täglichen pädagogischen Arbeit jedes Kind als einmalig und individuell zu erkennen:
- So gibt es in der Unter- und Mittelstufe (bis zur 9. Klasse) statt eines knappen Notenzeugnisses ausführliche Beschreibungen, die das Lernverhalten, die Begabungen, Schwächen und Entwicklungen des Kindes charakterisieren.
- Ein so genanntes "Sitzenbleiben" wird vermieden, um das soziale Gefüge der Klassengemeinschaft weitestgehend über die 12 gemeinsamen Schuljahre zu erhalten. Entscheidender als der Wissensstand auf einem bestimmten Gebiet ist es, die Gesamtentwicklung des Kindes auf einem ihm altersgerechten Niveau zu fördern.
- Durch die breite Fächerpalette (siehe Stundenplan), die Praktika der Oberstufe in vier unterschiedlichen Bereichen, Theateraufführungen und das Erstellen einer Jahresarbeit werden die verschiedensten Begabungen, Fähigkeiten und Interessen, die in jedem Kind schlummern, in vielfältiger Weise entwickelt.
- Der Fremdsprachenunterricht (Englisch und Spanisch) beginnt bereits in der 1. Klasse und knüpft an die wertvollen Nachahmungskräfte aus der Kindergartenzeit an. Die Fremdsprachen werden nicht abstrakt erklärend eingeführt, sondern unmittelbar wie das Erlernen der Muttersprache über Lieder, Spiele, kleine Beschreibungen der sichtbaren Umgebung etc., dem Kinde nahe gebracht - wodurch ein tieferes Sprachgefühl veranlagt werden kann. In altersgemäßen Spielen und gespielten Situationen werden Sätzen Beschreibungen, Aufforderungen und Erwiderungen eingeübt und zur Geläufigkeit gebracht, bis spätestens ab der 4. Klasse allmählich - und durch die Mittelstufe (5.-8. Klasse) hindurch - mit Schreiben, lesen, Grammatik- und Wortschatzarbeit zusätzlich nun auch der bewusstere, systematische Spracherwerb auf der bislang erlangten Vertrautheit weiter aufbaut.
Beim Fremdsprachenerwerb an der Waldorfschule geht es uns neben der praktischen Anwendung und der mündlichen wie schriftlichen Kommunikation von Inhalten auch um den Menschen als globalen Bürger und Zeitgenossen, der Erfahrungen damit macht, wie andere Völker die Welt denkend, fühlend und handelnd begreifen, erleben und gestalten.
- Die Eurythmie stellt eine weitere Besonderheit des Waldorflehrplanes dar - sie ist eine Kunst- und Bewegungsform die Sprache und Musik durch Gebärden gestaltet und sichtbar macht. Neben der pädagogischen Eurythmie, die während der gesamten Schulzeit durch diplomierte Eurythmisten erteilt wird, gibt es noch die Sonderformen der Bühneneurythmie und der Heileurythmie, die therapeutisch arbeitet. Diese Gebärden sind also nicht "Zeichen" für etwas, sondern geben seelisch-geistige Qualitäten wieder. Zum Beispiel bei der Gestaltung des Vokals "A" ergibt sich immer eine sich öffnende Gebärde, diese wird aber in einem Wort wie "Tag" anders zu gestalten sein, als in dem Wort "Nacht". Hierdurch ergeben sich vielseitige Möglichkeiten das Einfühlungsvermögen in Dichtung und Musik zu entwickeln und zu schulen.
- Das Hauptanliegen der Unterrichtenden ist es, eine lebendige Beziehung zum Lernstoff und -inhalt zu veranlagen; so dass die Schüler selbst initiativ werden, durch ihre eigene innere Motivation und nicht durch äußeren Leistungsdruck.
- Dass dieser Ansatz erfolgreich ist, lässt sich u.a. davon ablesen, dass vergleichsweise mehr Schüler mit einem formalen Abschlusszeugnis die Schule beenden, als an anderen Schulen; und dass die Arbeitslosigkeit unter Waldorfschülern geringer ausfällt.
- Die Waldorfschulen haben sich seit der ersten Gründung vor 85 Jahren in Stuttgart weltweit erfolgreich etabliert und arbeiten in über 50 Staaten - so wohl in sozialen Brennpunkten als auch an bevorzugten Standorten. Zahlreiche Prominente unterschiedlicher Berufsgruppen sind ehemalige Waldorfschüler.
Der Hauptunterricht findet an allen Tagen in den ersten zwei Stunden während der 1. - 8. Klasse statt. Hier wird durch den Klassenlehrer in einer sog. Epoche über 3-4 Wochen ein Fach unterrichtet - in der 1. Klasse: Formenzeichnen, Schreiben, Lesen und Rechnen, weitere Fächer folgen: Handwerken - Hausbau - Epoche, Tier-, Pflanzen- und Menschenkunde, Stern-, Erd- und Steinkunde, Kulturgeschichte (altes Indien, Altpersien, Ägypten, Griechenland und Rom, Mittelalter, Renaissance, Entdecker und Erfinder), Physik, Geschichte der Neuzeit,
- alles vorherige wird auf wissenschaftlichem Niveau wiederholt - Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, Geschichte, Deutsch
Das vollständige KONZEPT können Sie hier downloaden (PDF).
Stundenpläne der 1. Klasse und der 2. Klasse zum Download als PDF
Literaturempfehlungen
Erziehungskunst. Zeitschrift für Waldorfpädagogik
Zum Hintergrund:
Rudolf Steiner: Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft.
Rudolf-Steiner-Verlag 9,00 EUR
Die philosophischen Erkenntnisse, die die methodische Grundlage für den Unterricht an der Waldorfschule bilden, können in diesem Aufsatz und zwei Vorträgen Rudolf Steiners aus dem Jahre 1906 und 1907 nachgelesen werden. Die vier Glieder in der Wesenheit des Menschen, die Lebensjahrsiebte, die Organgestaltung - diese Themen müssen erst erarbeitet werden, jedoch lohnt sich die Mühe für das Verständnis des Menschen und der Menschheit.
Zum Einstieg:
Dietrich Esterl: Was bedeutet Anthroposophie für die Waldorfschule? Verlag Freies Geistesleben, 1. Auflage 2000, 9,50 EUR
Die wesentlichen Gedanken der Anthroposophie hat Dietrich Esterl in knapper, verständlicher Form aufbereitet und für den modernen Leser zusammengefasst. Dieses Buch bietet einen gut lesbaren Überblick über die Menschenkunde Rudolf Steiners, die in der Waldorfschule in die Praxis umgesetzt wird. Denn die Waldorfschule ist nicht einfach eine "andere" Schule. Ihre Grundlagen haben sich seit über achtzig Jahren bewährt - und sind doch innovativ.
Zur Vertiefung:
Frans Carlgren: Erziehung zur Freiheit. Verlag Freies Geistesleben, 8. Auflage 2005, 19,90 EUR
Was wird eigentlich in der Waldorfschule gemacht? Und warum? Sehr praxisnah stellt Frans Carlgren die Umsetzung der Pädagogik Rudolf Steiners in der Waldorfschule Klassenstufe für Klassenstufe dar. Verständlich und anschaulich durch viele Illustrationen und Fotos begleitet dieses Buch durch die gesamte Schulzeit unserer Kinder.
Und im Internet:
www.Waldorfschule.de
www.bildungsoekonomie-waldorf.de
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